Literaturverlage

Kleine und mittlere Literaturverlage in einer schweren Krise?

Dass heute um ein Vielfaches mehr publiziert wird als noch vor einigen Jahren, dürfte wohl kaum jemandem entgangen sein. Doch wie bekannt, sollte Quantität nicht vor Qualität stehen, doch dieses Kriterium ist in Zeiten der Eigenvermarktung von EBooks schon lange passé. Daher lamentieren Verlagshäuser schon seit längerem, dass Bücher in deutscher Sprache, um die sich Rezensenten und Buchhändler förmlich reißen, heute eher zum Ausnahmefall gehören.

War es damals denn anders?

Doch der Erfolg eines literarischen Werkes zeichnet sich eben erst sehr spät ab. Auch ein Max Frisch verkaufte von seinem späteren Welterfolgsroman „Stiller" im Erscheinungsjahr 1954 zunächst lediglich lächerliche 3000 Exemplare. Und auch ein Franz Kafka erhielt für sein Buch „Betrachtungen", das sich nur 69-Mal verkaufte, 25,88 Mark auf sein Konto gutgeschrieben. Welterfolge wie Patrick Süskinds „Das Parfum", aus dem dann auch gleich ein Hollywood-Streifen gemacht und das in mehrere Sprachen übersetzt wurde, ist da eher eine Ausnahme. „Die Geschichte eines Mörders" hat in weniger als zehn Jahren den Markt erobert. Mehr als 7 Millionen Euro erzielte das Buch dabei weltweit, allein 1,5 Millionen Euro entfallen auf die deutschsprachigen Länder. Doch auch die heutigen Klassiker Max Frisch und Franz Kafka zeigen, dass sich der Erfolg eines literarischen Werkes oft erst nach Jahrzehnten abzeichnet. Was ist es also wirklich, was die Verlagshäuser zum Resignieren bringt?

Der Kommerz setzt sich auch in der Literaturbranche durch

Insbesondere in kleinen und mittelgroßen Literaturverlagen hat sich Untergangsstimmung breit gemacht. Viele, wie Luchterhand und Co., sind da sogar akut bedroht oder wurden bereits von größeren Verlagen geschluckt. Viele kleinere Verlagshäuser sind da schon seit langem auf die großzügige Unterstützung von wohlmeinenden Mäzen angewiesen. Im Nachbarland Österreich hat sich da schon verstärkt eine staatliche Förderung durchgesetzt.

Doch wäre dieses Modell auch auf Deutschland übertragbar? Kenner der Branche halten diese Alternative für wenig wünschenswert. Schließlich können staatliche Stellen, darüber entscheiden, welche Autoren gedruckt werden und so die Druckerzeugnisse auch in politischer und ideologischer Hinsicht lenken. Doch welche andere Lösung könnte es demnach geben, um auch kleinere Literaturverlage aus der Krise zu führen?

Entdeckerfreude des Lesers immer noch nicht erloschen

Wie die Verkaufszahlen des letzten Weihnachtsgeschäfts belegen, stimmt es nicht, dass die Mehrzahl der Deutschen lieber vor dem Fernseher hockt als ein gutes Buch zur Hand zu nehmen. Vielmehr gilt es also auch für kleinere Verlage, wie den Literaturverlag Nina Roiter, auf literarische Debüts zu setzen und Risikofreude zu beweisen. Es lohnt sich also durchaus ein wenig Risikobereitschaft zu zeigen, wie Max Frisch und Franz Kafka in aller Deutlichkeit vor Augen führen.


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